„Erzähl mir bitte eine Fantasie, als Vorgeschmack quasi. Eine, die du schon lange im Kopf hast.“
„In welcher Richtung?“
„Wie meinst du das?“
„Hart oder weich?“
Er überlegte. „Erzähl mir einfach die, die dich am meisten fesselt, gleich ob hart oder weich.“
Lächelnd sagte sie: „Wir können kaum intimer miteinander werden“, und er nickte zustimmend.
„Ich habe noch nie Fantasien gehabt, jedenfalls nicht abstrakt. Wenn mir eine Idee kommt, dann versuche ich sie gleich umzusetzen. Vorher habe ich noch nicht von einer Frau geträumt, ich träume meistens nur Erinnerungen.“
Sie begann zu erzählen und er lehnte sich zurück und lauschte.
„Es findet eine große Party statt und eigentlich will ich dort gar nicht hingehen. Ein Geschäftsfreund bittet mich, ihn zu begleiten und ich befinde mich in der Zwickmühle nicht absagen zu können.
Also ziehe ich mein langes schwarzes Abendkleid an, lege die Perlen um und lasse mich in einem großen Wagen abholen. Auf der Party kenne ich keinen Menschen, dagegen sind alle anderen bekannt miteinander und ich fühle mich wie ein Außenseiter. Verloren stehe ich in einer dunklen, viktorianischen Halle mit einem überladenen Kamin und düsteren Porträtbildern an den Wänden. Diener und Mädchen mit Häubchen laufen unentwegt in dem großen Raum hin und her und reichen den Gästen Getränke und Kanapees. Irgendjemand beobachtete mich, doch ich kann nicht erkennen wer. Ich spüre es nur. So sehr ich suche, entdecke ich die Person nicht.“
Anthony zog sich einen Stuhl herüber während sie erzählte und legte seine Beine hoch. Er war entspannt zurückgelehnt und öffnete seinen Hosenbund um mehr Freiheit zu haben, er schloss die Augen und lauschte ihrer Stimme.
„Es kommen neue Gäste an und die Stimmung in der Halle steigt. Ich höre laute Gespräche, Gelächter. Wie automatisch gelange ich zu meinem Schutz mit dem Rücken an die Wand. Mir ist kalt, ich fühle mich unwohl und irgendetwas macht mir Angst. Es ist, als ob ein kalter Luftzug um meinen Nacken geht. Der Raum wird immer voller und ich fühle mich in die Ecke gedrängt, als könne ich den Raum nicht mehr verlassen. Schweiß bricht aus und ich weiß, es ist an der Zeit zu gehen. Ich versuche mich durch die Gäste zu drängeln, aber es ist, als ginge ich in einem Meer von Menschen unter. In diesen Wogen werde ich hin und her gestoßen, recht unsanft und ich befürchte am nächsten Tag viele kleine Flecken zu haben. Plötzlich steht der Kellner vor mir und ich höre einen lauten Krach. Er ist ins Schwanken gekommen mit einem vollen Tablett Rotweingläsern; alles ergießt sich auf mein Kleid. Alle Blicke ruhen auf mir und ein Dienstmädchen kommt eilig herbei. Sie nimmt mich an der Hand und führt mich eine große Treppe hinauf. Die anderen Gäste wenden sich wieder ihren Gesprächen zu. Sie führt mich in ein Badezimmer, damit ich mich sauber machen kann. Dann weißt sie auf mein Kleid, dass sie schnell reinigen möchte und legt mir ein Bündel Wäsche hin. Die Sachen würden bestimmt passen, versichert sie. Ich beteuere ihr, dass ich sowieso nach Hause fahren wollte. Sie fängt an zu weinen. Sie und der Diener würden ihren guten Job verlieren, wenn ich jetzt gleich nach dem Missgeschick die Party verlassen würde. Es wäre furchtbar, denn ihr Mann sei arbeitslos und die Frau des Dieners sei krank. Ihre Tränen und die Verzweiflung erweichen mich und ich ziehe mein Kleid aus. Wieder fühle ich mich beobachtet – ich muss mich irren!
Sie deutet auf meinen BH, der sich auch von Rotwein gefärbt hat. Ich zögere einen Moment doch dann gebe ich ihr auch den. Sie verlässt das Bad und plötzlich höre ich, wie sich der Schlüssel dreht. Ich greife auf die Klinke, die Tür ist geschlossen. Gefangen untersuche ich den Raum. Ein großes Bad mit vielen Spiegeln. In einem zweiten Raum befinden sich eine riesige muschelförmige Wanne und ebenso viele Spiegel. Dann gehe ich zurück und greife nach dem Stapel Wäsche. Als ich die Kleidung hochhebe, fällt alles in Stoffstreifen auf den Boden. Mir ist unsagbar kalt und der Puls schlägt mir vor Angst schneller. Auf dem Stuhl liegt ein weißes Handtuch und hoffnungsvoll greife ich danach. Ich entfalte es und irgendetwas rauscht zu Boden. Das Handtuch ist zu klein! Wieder merke ich, dass mich jemand beobachtet. Ich sehe mich in dem riesigen Spiegeln, klein und hilflos, frierend. Meine Brustwarzen haben sich von der Kälte zusammengezogen und eine Gänsehaut ist sichtbar. Ich versuche die Arme zu verschränken und mich zu wärmen. Dann schaue ich auf den Boden und sehe etwas kleines Rotes satinähnliches oder seidiges. Es musste eben aus dem Handtuch gefallen sein. Als ich es hochhebe erkenne ich ein Nachthemd mit Spagettiträgern, nicht sehr lang. Weil es besser ist, als nichts, ziehe ich es über. Es passt und reicht mir gerade bis über den Po. Das Ganze ist erst ein Teil von etwas und ich gerate in Panik. Laufe in das zweite Zimmer und schaue mich um. Dort ist ein Vorhang, vielleicht ist ein Fenster dahinter? Ich ziehe den Vorhang auf, sehe tatsächlich ein Fenster doch es ist vergittert, meine Hoffnung sinkt. Dann bemerke ich einen zweiten großen Vorhang und gehe vorsichtig darauf zu. Eine schwere Eichentür liegt dahinter. Was würde mich dahinter erwarten – was erwartet mich hier? Zurück kann ich nicht, das steht fest. Also öffne ich die Tür und betrete einen Raum der ganz mit Holz verkleidet ist. Plötzlich wird die Tür hinter mir zugezogen und ohne dass ich auf die Klinke fassen muss, weiß ich, dass sie verschlossen ist. In dem vertäfelten Raum steht ein großes Bett, wie ein Himmelbett aus schwerem Holz. Die Pfosten sind aus gedrehtem Holz und an den beiden Seiten längs hängen schwere Prokatvorhänge in rotgold. Der Überwurf auf dem Bett ist zurückgezogen und es liegen zwei große Kopfkissen da. Das Bett selber hat keinen Rand, keine Kante und am Kopfende befindet sich eine Holzverkleidung, die in der Mitte einen riesigen plastischen Löwenkopf zeigt. Rechts und links sind zwei kleinere Löwenköpfe aus Gold mit einem Ring durch den Mund, wie Türöffner. Neben dem Bett stehen zwei lange Kerzenständer mit bald 20 Kerzen je. Der Raum ist warm und ich friere nicht mehr so stark. Wie lange ich dort sitze weiß ich nicht, das Zeitgefühl habe ich verloren.
Kaum merklich öffnet sich eine Tür und eine männliche Gestalt betritt den Raum, die Tür schließt sich sofort wieder. Ich glaube keine Luft mehr zu bekommen.
Der Mann ist groß und wirkt sehr kräftig. Er ist völlig schwarz gekleidet, wie mit engem Trainingsanzug. An seinen Händen trägt er Lederhandschuhe. Sein Gesicht kann ich nicht sehen, er trägt eine Kapuze aus schwarzem Samt. Er spricht kein Wort und deutet auf das Bett. Ich weigere mich. Kaum das ich den Kopf geschüttelt haben greifen mich Hände rechts und links. Zwei weitere Männer in Schwarz befinden sich im Raum. Ich versuche mich zu wehren, doch sie haben mich so fest an beiden Armen gepackt, dass mein Strampeln und Zerren nichts ausrichten kann. Sie binden mir eine dicke goldene Kordel um die Handgelenke und legen die anderen Enden durch die goldenen Ringe der Löwenköpfe. Mit meinem Kopf berühre ich die Kopfkissen, die wie betäubend nach Opiumparfüm riechen. Dann ziehen die Männer an den Kordeln und ich muss mit den Armen folgen um dem Schmerz an den Gelenken zu entgehen. Meine Arme sind nun ausgestreckt über meinem Kopf und ich kann mich nicht losziehen. Der Mann mit der Samtkapuze kniet sich mit einem Bein unten auf das Bett und die Matratze gibt unter seinem Gewicht nach. Ich kann seine Augen sehen und sie blitzen, wie die einer Katze tiefgrün. Er streckt seine Hand nach mir aus und ich beginne zu schreien und mit den Beinen auszuholen. Ich kann es doch nicht einfach so geschehen lassen. Vielleicht habe ich Glück und er tötet mich nicht, aber ich glaube nicht daran. Er versucht mich mit seiner Hand zu berühren und ich kann ihn mit meinem Fuß in den Magen treten. Er stöhnt auf. Dann stellt er sich wieder vor das Bett und nickt den beiden anderen Männern zu. Sie schauen mich an und lassen langsam eine neue goldene Kordel durch ihre Hände gleiten. Ich habe das Gefühl, ohnmächtig zu werden. So sehr ich mich auch versuche zu wehren und zu treten, zu strampeln erfassen sie meine Fußgelenke und ich spüre die Kordeln auch da. Sie wickeln die Enden um die großen Bettpfosten und ziehen die Kordeln an. Sie lassen mir nur soviel Platz, dass es nicht schmerzt solange ich still liege aber Bewegungsfreiheit habe ich kaum, höchstens ein paar Zentimeter. Der Mann mit der Kapuze schreitet langsam um das Bett herum und deutet mit der Hand den Männern an zu verschwinden. Jetzt kniet er sich wieder aufs Bett und hält inne. Ich kann mich nicht mehr viel bewegen und er lacht dunkel, fast höhnisch. Dann legt er sich neben mich und fährt mit einem Finger an meinem Innenarm runter. Hält in der Achselhöhle an und rutscht auf dem Bett weiter runter. Dann setzt er die Bewegung fort und streicht mit dem Finger an meiner Seite entlang bis zu meinen Beckenknochen. Er rückt wieder nach und streichelt mein Bein auf dieselbe Weise. Er wechselt die Seite und wiederholt das Spiel auf der anderen Seite. Ich zittere und bedauere es, nicht in Ohnmacht fallen zu können. Dann schiebt er mir das Kleid hoch über den Slip hinweg. Er verlässt das Bett wieder und geht zu einem großen Schrank. Ich kann nicht sehen, was er tut, höre aber wie sich eine Schublade öffnet und kurz darauf steht er mit einer Schere am Bett. Dann schneidet er rechts und links meinen Slip auf und ich spüre das kalte Metall auf meiner Haut. Er zieht den Rest des Slips weg und ich fühle mich beschmutzt. Darauf versucht er das Kleid wieder runter zu ziehen und stößt mich leicht an. Ich soll mich etwas aufrichten, damit es besser klappt. Aus Angst gehorche ich. Wieder steht er auf und geht zum Schrank. Voller Entsetzen sehe ich, wie er mit einem riesigen Messer mit großer, dicker Klinge vor dem Bett steht. Die Klinge ist mindestens dreißig Zentimeter lang. Er nimmt das Messer und streichelt damit fast eines der Kissen neben meinem Kopf. Das Kissen springt sofort auf und die Federn quellen hervor. Ich möchte weinen, doch ich kann nicht, ich bin wie gelähmt. Jetzt fährt er mit dem stumpfen Ende des Messers an meinen Armen entlang, so wie er es zuvor mit seinen Fingern getan hatte. Ich liege ganz still und schließe die Augen krampfhaft. Darauf spüre ich das kalte Messer zwischen meinen Beinen. Ich sollte zittern, doch nicht einmal das kann ich mehr. Er fährt langsam mit dem Messer an meinem Bauch hoch und landet mit der Spitze vor meinem Hals. Die Klingenspitze berührt mein Kinn und er zieht das Messer auf dem gleichen Weg sacht wieder herunter. Dabei entsteht ein leicht kratziges Geräusch. Ich merke, wie das Nachthemd weit wird, es rutscht an mir ab. Von meinem Bauch abwärts bin ich freigelegt, nur mein Busen scheint das Seidenkleid noch zu halten. Er steht da und betrachtet mich. So, als wollte er das Nachthemd nicht weiter zum Rutschen bringen. Vorsichtig kommt er seitlich auf das Bett und streift mir mit einem Finger das Nachthemd vom Busen ab. Dabei berührt er meine Brustwarzen und ich fühle eine Spannung in mir aufsteigen, sogar ein Kribbeln zwischen den Beinen. Meine Brustwarzen werden hart und ich schäme mich entsetzlich für meine Reaktion, kann sie aber weder unterdrücken noch anders kontrollieren.“
„Hör auf, bitte, hör auf.“
Sie war so versunken, dass sie jetzt erst wieder zu ihm herüber schaute.
„Du warst so versunken, dass du gar nicht gemerkt hast, was um dich rum passiert“ sagte er gedämpft.
„Bist du jetzt enttäuscht von mir? Ich hätte nicht so offen sein sollen, aber es ist ein Traum, den wir sowieso nicht nachspielen können. Ich hätte dich nicht in meine Abgründe blicken lassen dürfen. Du verachtest mich nun vielleicht“ und sie wurde richtig traurig, was er im Schein des Windlichtes sehen konnte.
Er fasste nach ihren Händen und hielt diesmal beide in den Seinen fest und stützte sich auf den Tisch auf. Sie wusste nicht, was sie aus seinen Augen lesen sollte. Er beugte sich weiter zu ihr und küsste sie sanft auf den Mund.
„Ich konnte es nicht mehr ertragen, aber nicht so, wie du befürchtest hast. Deine Erzählung hat mich so mitgerissen, dass ich zwei Ergüsse kurz nacheinander gehabt habe. Nun war es mir unmöglich zu hören, wie ein anderer Mann dich berührt, wenn nicht ich es bin. Da schau, ich habe jetzt noch eine Gänsehaut von deiner Geschichte.“