Sie machten sich fertig und Andrea ging nach unten ins Wohnzimmer, um noch einen Zigarillo zu rauchen.
Kathe kam die Treppe runter und hatte ein schwarzes Cape angezogen.
„Was hast du darunter an?“ fragte Andrea neugierig.
„Dasselbe wie heute Nachmittag.“
Andrea lachte. Es war klar, sie wollte es ihm nicht sagen oder zeigen.
„Ich warne dich nur insoweit vor, dass das Kleid so umwerfend ist, dass deine gesamten Bekannten vor Neid platzen werden. Und – du bestimmt daran denken wirst, mich keine Sekunde aus den Augen zu lassen.“
„Würde ich auch nicht. Aber selbst du wirst mich heute zu nichts mehr treiben können. Ich bin völlig ausgepumpt!“ scherzte er.
Kathe grinste, „wir werden sehen?“
Im Auto sagte sie plötzlich: „Andrea? Findest du mich zu wild? Bin ich zu sexbesessen nach dir? Sollte ich mich mehr beherrschen?“
„Nein, gar nicht. Im Gegenteil! Zum einen ist es Wahnsinn mit dir zu schlafen, auf jede Art. Es ist schön, wie offen du dich hingibst und deine Gefühle zeigst. Und für einen Mann generell, speziell für mich natürlich auch, ist es ein sagenhaftes Gefühl zu spüren, wenn einen eine Frau will. Dieses alte Klischee von dem „rühr mich nicht an; erobere mich erst“, trifft jedenfalls auf mich nicht zu. Und wenn du wie heute ins Schlafzimmer kommst und diese verführerischen Sachen an hast, dann sagt mir dein ganzer Körper „ich will dich“. Keine Worte würden ausreichen, um dir zu beschreiben, was in diesem Augenblick in mit vorgeht.
Oder letzten Sonntag, wo du runtergekommen bist und mich zum Frühstück verführt hast, es ist unbeschreiblich.
So etwas an Dynamit in mir habe ich noch nie zuvor gefühlt. Ich könnte dir die ganze Zeit davon vorschwärmen. Mach dir keine Gedanken darum, ich bin sehr glücklich, dass es so ist.“
„Aber es wird bestimmt nicht so bleiben? Oder meinst du wir, können diese Erotik über Jahre konstant halten?“
„Bei deiner Fantasie bin ich da nicht in Sorge. Und wenn wir beide meinen, dass es langweilig werden sollte, besorge ich erst einen Katalog und dann den Karma Sutra.“
Kathe lachte. Das würde reichen, bis sie im Rentenalter wären.
„Es ist schön, mit dir diese Erfahrungen zu machen. Es ist erregend und sehr befriedigend. Ich fühle mich so wohl bei und mit dir. Es ist fast ein bisschen zu perfekt, denke ich manchmal. Ich spüre deine Hände so gern und ich liebe deine Bewegungen. Dein Körper strahlt soviel aus und das Eindringen in mich ist jedes Mal anders. Ich liebe dich genauso, wenn du weich und zärtlich bist, wie wenn du fast über mich herfällst. Allein sexuell bist du mein Traummann.“
Andrea stieg sofort in die Bremsen.
„Sag das noch mal!“
„Allein sexuell bist du mein Traummann. Ich habe noch nie bei einem anderen Mann auch nur einen Bruchteil dessen gefühlt und gespürt, was ich bei und mit dir empfinde.“
Er drehte sich zu ihr und sie küssten sich innig. Darauf startete er den Wagen wieder.
Dass das noch keine Frau zu ihm gesagt hatte, war nicht so wichtig, aber das sie es ihm sagte. Sie sagte solche Sachen wirklich nur, wenn sie fest davon überzeugt war, das wusste er jetzt nach diesem intensiven Monat. Er konnte es glauben.
Endlich kamen sie bei dem Fest an und Andrea wäre lieber mit ihr allein gewesen. An der Garderobe gaben sie ihre Mäntel ab und in dem Augenblick war er froh, dass sonst keiner weiter da war. Er zog sie ein Stück zur Seite und flüsterte: „Das Kleid hättest du mir zu Hause zeigen müssen. Selbst ich muss mich erst an den Anblick gewöhnen.“
„Außer dir weiß doch kein anderer Mann, was in der Verpackung steckt. Und kein anderer Mann begehrt mich so.“
Andrea nickte.
„Und – du hast mir doch gesagt, du wärest zu nichts mehr fähig heute, oder?“
„Ich habe mich geirrt.“
„Aber mal etwas anderes, Schatz! Wenn du mit mir in diesem Kleid da nicht rein möchtest, dann verstehe ich das. Wir fahren nach Hause und ich ziehe mich um oder wir lassen das Ganze.“
Er ging ein paar Schritte zurück und versuchte sie objektiv zu betrachten. Man sah nichts, man ahnte nur alles.
Das Kleid war aus schwarzer Spitze, mit kleinen Pailletten und Perlen besetzt. Es hatte lange Ärmel und einen Stehkragen, also hoch geschlossen. Unterhalb des Hinterns, mehr mittel Oberschenkel, fiel ein weiter Plisseerock ab, durch den man ihre Beine erkennen konnte, wenn das Licht günstig war. Die Spitze war auf einen schwarzen, dünnen, durchsichtigen Taftstoff aufgesetzt. In das Kleid war ein Mieder eingearbeitet, das den Busen verdeckte und den Po, aber den Bauch konnte man sehen. Wenn man starrte. Sie sah aus, wie eine Göttin der Liebe heute Abend.
Andrea lächelte. Sie hatte recht, in diesem Kleid würde er sie keine Sekunde aus den Augen lassen und sie würden absolut für Klatsch sorgen. Nie wieder würde ihn einer aufziehen. Dennoch fand er es sehr mutig, aber sie schien fest entschlossen und er wäre stolzer denn je. Gerade nach dem Geständnis im Auto.
Er ging wieder auf sie zu und lächelte. Dann nahm er ihre Hände, küsste beide, sah sie tiefgründig an und sagte ganz sanft: „Ich gehe mit dir da rein. Auch und wegen des Kleides, und ich werde zu sehen, wie du sie alle verzauberst und mundtot machen wirst. Aber nur unter einer Bedingung.“
Er sah ihr zärtlich doch fest in die Augen. „Nur wenn du meine Frau werden willst! Nur mit meiner Frau gehe ich da jetzt hinein!“
Es dauerte einen kleinen Moment, bis Kathe begriff, dass er ihr auf diese Weise einen Heiratsantrag gemacht hatte. Jetzt lächelte sie glücklich und merkte, dass seine Hände ein bisschen zitterten.
„Am 16. Januar“, sagte sie und strahlte ihn an.
„Das heißt ja?“
Kathe schrie plötzlich so laut sie konnte „Ja, ja, ja!“
Andrea riss sie in seine Arme und wirbelte sie herum. Dann küsste er sie innig und die Spitze kratzte an seiner Hand.
Er reichte ihr seinen Arm und sie gingen hinein. Wie auf Bestellung spielte die Band ein Stück von Glenn Miller. Er schloss sie sanft in seine Arme und war absolut der glücklichste Mann auf der Welt. Sie tanzten noch ein zweites Mal, bevor die Umwelt sie wieder haben sollte.
„Weißt du, ich habe keinen Ring“, flüsterte er ihr ins Ohr. „Aber die Kette, die ich dir letzte Woche gegeben habe, war das Verlobungsgeschenk meines Vaters an meine Mutter. Deshalb hätte ich mich sehr gefreut, wenn du letzten Samstag den Brautstrauß gefangen hättest.“
„Wie hätte ich das wissen sollen?“
„Heute ist es genauso überwältigend“, flüsterte er und dann drehte er sie noch einmal.